Zum Nachlesen: Ansprache zum Sonntag Reminiszere

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8)

Liebe Zuhörende, 

„Der Wert eines Menschen ist nicht verhandelbar“ – so las ich vor Kurzem auf einem Plakat – schön wär´s. Doch die Wirklichkeit sieht doch ganz anders aus. Es gibt Menschen, die scheinen ganz viel wert zu sein, andere scheinen weniger wert zu sein und es gibt auch Menschen, denen wird von anderen gar kein Wert zugemessen. Und dann scheint sich bei einigen der Wert ständig zu erhöhen und bei anderen kontinuierlich zu sinken. Leider wird der Wert eines Menschen oft an dem festgemacht, was er besitzt, was er leistet, was er erreicht hat, was für ein Potential er hat oder wie er sich an die gesellschaftliche Norm hält. Und so wird einem führenden Politiker, einem Multimillionär, einem Profifußballer oder einem Spießbürger oft ein höherer Wert zugemessen als einem Geflüchteten, einem Hartz IV Empfänger, einem Behinderten oder einem Vorbestraften. „Der Wert eines Menschen ist nicht verhandelbar“ oder wie es im Grundgesetz heißt „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – leider doch! Immer wieder wird über den Wert eines Menschen verhandelt, wird die Würde eines Menschen angetastet. 

 

Wie gut tut da der Wochenspruch dieser Woche aus dem Brief des Apostels an die Gemeinde in Rom, in dem er schreibt: „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8) Hier wird etwas ganz anderes als das uns Geläufige gesagt. Hier wird nicht gesagt, dass der Mensch etwas wert ist, weil er etwas hat, weil er jemand Bestimmtes ist oder weil er etwas kann, sondern: Der Mensch ist etwas wert, weil er von Gott geliebt ist. Der Wert des Menschen ergibt sich also nicht aus dem, was in dem Menschen steckt, sondern was von Gott in den Menschen hineingetragen wird  - eine komplett andere Sichtweise, eine Sichtweise, die unser Denken auf den Kopf stellt. - oder doch nicht? Vielleicht liebt Gott ja nur die, die dieses und jenes denken und tun, die seinem Bild entsprechen? 

 

Dass dem nicht so ist, ist in unserem Wochenspruch unmissverständlich zum Ausdruck gebracht: „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Gott hätte die Menschen auch gar nicht lieben müssen, aber er tut es, weil sie ihm am Herzen liegen und er sie geschaffen hat und er liebt sie so sehr, dass er selber Mensch wird und sich ihnen zur Seite stellt und ihnen hilft und sich vor allem mit den Armen, Machtlosen, Ausgegrenzten  und den Sündern solidarisiert und sogar auch noch im Sterben und Tod bei ihnen ist. Was für eine Liebe, die eben nicht nach einer Gegenleistung, nach Geld, Ansehen, Einsatz oder correctness fragt sondern die einfach nur für den anderen bis zum eigenen und des anderen Ende da ist, egal wer und wie er ist, ob groß oder klein, arm oder reich, jung oder alt, einheimisch oder fremd, gesund oder krank, gesetzeskonform oder mit Schuld behaftet.  

 

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ – ein Satz, der nicht nur den Menschen in Rom galt sondern der uns allen gilt, überall und auch 2000 Jahre später. Die Liebe Gottes in seinem Sohn Jesus Christus ist immer noch da und wir können sie immer noch und immer wieder erfahren. Wir sind Gott etwas wert, wir sind ihm kostbar, egal wie sich unser Leben bisher gestaltet hat und weiterhin gestalten wird und ob wir Sünder waren oder immer noch Sünder sind oder wieder Sünder werden. Wir sind Gott etwas wert und er ist für uns da, gibt uns immer wieder eine Chance im Leben und diese Liebe Gottes, die macht er uns möglich, auch anderen einen Wert zuzumessen, die Wertschätzung auch auszusprechen, sich dafür einzusetzen, dass der Wert und die Würde anderer geachtet wird und allem entgegenzutreten, die den Wert und die Würde des Menschen antasten. Ja, der Wert eines Menschen ist vor Gott und durch Gott nicht verhandelbar. Gott sei Dank. Amen. 

 

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