Zum Nachlesen: Ansprache zum 11. Sonntag nach Trinitatis

Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete: Nein, ich will nicht. Danach reute es ihn und er ging hin. Und der Vater ging zum zweiten Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: „Ja, Herr! Und ging nicht hin. Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan?

Liebe Zuhörende,

Jesus hat mal folgende Geschichte erzählt: Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete: Nein, ich will nicht. Danach reute es ihn und er ging hin. Und der Vater ging zum zweiten Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: „Ja, Herr! Und ging nicht hin. Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Vermutlich würden wir genauso wie der Hohenpriester und die Ältesten, denen Jesus diese Geschichte als erstes erzählt hat, antworten; Ist doch klar; der erste, der Neinsager und Dochtuer, denn Handeln ist immer besser als Reden! Denn von den anderen gibt es genug in der Welt, die zu allem Jaja sagen und doch nichts machen.
 

Ich habe die Geschichte früher auch immer so gesehen. Mittlerweile habe ich jedoch meine Anfragen an diese Geschichte. Hat denn der erste Sohn wirklich den Willen des Vaters getan und hat der zweite den Willen des Vaters wirklich links liegen lassen? Oder war es nicht vielleicht auch anders? Vielleicht wollte der Vater ja selber im Weinberg arbeiten und wollte nur pro forma ein Ja hören und auf keinen Fall ein Nein. Vielleicht sah der Vater ja durchaus auch die Hintergründe, die zu dem einen oder anderen Verhalten geführt haben? Vielleicht sah und verstand er ja, dass der erste Sohn gerade mit etwas anderem, wichtigem beschäftigt war, aber an sich ein guter Kerl ist und es schon machen wird? Und vielleicht war dem zweiten Sohn nach seiner Zusage ja etwas ganz Wichtiges dazwischengekommen, so dass er dem Vater nicht helfen konnte, so gern er das auch gemacht hätte? Und wer sagt denn, dass der erste Sohn die Arbeit dann aus vollem Herzen gemacht hat und der zweite Sohn nach dem, was ihm dazwischengekommen war, die Arbeit dann doch noch tat, wie er es versprochen hatte? Kann ja sein. Und je länger ich auf die Geschichte schaue, umso mehr frage ich mich auch, warum der Vater überhaupt seine Söhne um Hilfe fragen muss. Sind die so blind und bequem, dass sie nicht sehen, dass beim Vater Arbeit anliegt. Eigentlich hätte man doch erwarten könne, dass die Söhne ungefragt dem Vater helfen. Damit hätten sie vermutlich doch am ehesten den Willen des Vaters getan. Tun sie aber nicht, weder der eine noch der andere. So tut letztlich also keiner von beiden den Willen des Vaters, bleiben beide dem Vater etwas schuldig, ist keiner von beiden besser als der andere.
 

Das ist doch wohl der eigentliche Tenor der Geschichte, nicht dass das Neinsagen und Dochtun besser ist als das Jasagen und Nichtstun, sondern dass wir alle etwas schuldig bleiben, so oder so. Wir bleiben in unserem Leben immer unserem Nächsten, unseren Eltern und Großeltern, unseren Kindern und Enkelkindern, unseren Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunden und letztlich auch Gott etwas schuldig. Wir sind nun mal Menschen und Menschen sind mehr oder weniger fehlbar. Und doch lässt uns der Vater, lässt und Gott, nicht fallen und sucht immer wieder neu den Weg zu uns. Er hätte ja auch sagen können: Die merken es einfach nicht, die tun es einfach nicht. Ich mache das jetzt allein, ich brauche die nicht. Aber Gott bleibt dran, immer wieder, immer wieder neu. Gott bleibt dran, auch beim größten Sünder. Und das zu glauben, darum geht es. Es geht einfach nur darum, zu glauben, dass wir Gott wichtig sind, dass er uns liebhat, dass er an uns dranbleibt, immer und überall. Und diese unbeschreibliche Liebe Gottes, die macht es uns irgendwann möglich, dass wir uns nicht bitten lassen und die erbetenen Sachen dann halt tun, sondern dass wir von uns aus tun, was Gott gerne hätte, dass wir von uns aus auf andere Menschen zugehen, Grenzen überschreiten, uns für das Leben einsetzen, Stimme erheben, Flagge zeigen, Ärmel hochkrempeln für eine bessere, lebendigere, bunte Welt. Die Zöllner und Huren und viele andere mehr sind sich dessen bewusst. Und deshalb sagt Jesus nach unserer Geschichte: „Die Zöllner und Huren kommen eher in Reich Gottes als Ihr“, weil sie wissen, dass Gott dran bleibt, immer wieder, immer wieder neue Chancen gibt und letztlich zur Veränderung führt. Ich wünsche uns, dass Jesus das eines Tages auch über uns sagen kann, dass auch wir nicht auf Grund unseres Redens und Tuns, sondern auf Grund unseres Glaubens, des Angewiesenseins auf Gottes Liebe, dem Reich Gottes ganz nahe sind. Amen.

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