Zum Nachlesen: Ansprache zum 16. Sonntag nach Trinitatis

„Gelobt die der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch“ Psalm 68

Liebe Zuhörende,

„Gelobt die der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch“, so heißt es an zentraler Stelle des eben gehörten 68.Psalms, des Wochenpsalms. Wie wahr: Gott legt uns eine Last auf – und nicht nur eine sondern manchmal auch ganz schön viele! Und wir könnten hier zahlreiche Lasten aufzählen, die wir in unserem Leben zu tragen hatten und immer noch zu tragen haben, die älteren unter uns sicherlich noch mehr als die jüngeren. Was gab es da nicht alles für Lasten im Leben: viel Arbeit, oft so viel, dass wir unter ihr fast zusammengebrochen sind, oder aber gar keine Arbeit, so dass wir an uns selbst und an dem Sinn des Lebens gezweifelt haben, viele Krankheiten bei uns oder in der Familie und Freundeskreis und manche Krankheiten so schwer, dass wir fast die Hoffnung aufgegeben haben. Viele Abschiede von Menschen, die uns wichtig waren, durch Wegzug, Trennung, Tod und einhergehend mit den Abschieden große Trauer, Einsamkeit und Verzweiflung. Und dann die vielen globalen Entwicklungen, Klimawandel, Umweltverschmutzung, Armut und Gewalt, die uns Angst bereiten und anderen das Leben kosten.  

 

Ja, wir haben wahrlich viele Lasten im Leben zu tragen gehabt. Und oft haben wir uns in diesen Situationen gefragt, warum gerade wir oder andere diese Lasten tragen müssen, warum unser Leben nichts anderes für uns bereit gehalten hat, warum wir mehr oder weniger Lasten als zu tragen haben, warum Gott solche Lasten auferlegt und wenn nicht auferlegt dann doch zugelassen und nicht verhindert hat ,und warum der allmächtige und barmherzige Gott uns und anderen nichts anderes geschenkt hat. Ja, „Gott legt eine Last auf.“
 

 

Ich weiß es nicht, warum viele von uns, warum viele Menschen in der Welt, und andere ja noch viel mehr als wir, so schwer am Leben zu tragen haben. Ich weiß es nicht und andere wissen es auch nicht, auch wenn immer wieder einige vorgeben, es zu wissen. Was ich aber glaube und auch erfahren habe, ist der zweite Teile unseres Psalmwortes: „Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ Auch das gibt es: Nicht nur, dass es uns und andere schwer getroffen hat, sondern dass wir und andere in all dem Dunkel manchmal auch einen Lichtstrahl sehen können: Oft erkennt man diesen Lichtstrahl erst im Rückblick oder aber in dem Moment, wenn man meint, jetzt geht gar nichts mehr. Manchmal ist solch ein Lichtstrahl ein aufmunterndes Wort eines anderen Menschen  oder die Hand, die uns zuwinkt, uns anfasst und streichelt oder aber uns tatkräftig hilft. Manchmal ist es auch ein Bibelvers oder ein anderes Wort, das uns tröstet und uns Mut macht. Manchmal ist es die Kraft, die uns auf einmal durchströmt und uns durchhalten und weitermachen lässt, obwohl wir uns am Ende fühlen. Manchmal ist es ein Sonnenstrahl oder ein Blumenstrauß oder das Zwitschern der Vögel oder ein schönes Essen, das wie Balsam auf der Seele wirkt.
 

„Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ Wir wissen nicht, warum wir so viele Lasten im Leben zu tragen haben. Und vermutlich werden wir es auch nie wissen und das ganze Wissen wäre vermutlich auch eine zusätzliche Last. Wir dürfen uns bei allen Lasten aber von Gott gehalten wissen und können seit der Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus von den Toten gewiss sein, dass die Lasten irgendwann ein Ende haben werden. Am Ende aller Tage stehen nicht die Lasten und Belastungen, die Sorgen und die Verzweiflung, sondern am Ende steht die Freiheit und die Freude, am Ende aller Tage steht nicht der Tod sondern das Leben. Diese Hoff-nung auf Gottes Reich, auf das ewige Leben, macht es uns möglich, trotz aller Lasten den Kontakt zu Gott nicht abzubrechen und neben aller Klagen und Bitten auch das Danken nicht zu vergessen und Gott täglich zu loben und zu preisen und das Loben und Preisen durch tatkräftiges Tun zu untermau-ern, damit die Lasten bei uns und anderen ein wenig gemildert werden. „Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Satz bei allen Lasten und Belastungen cht vergessen und so trotz dieser Erschwernisse leben können. Amen.  

 

 

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