Zum Nachlesen: Ansprache zum 13. Sonntag nach Trinitatis

„Suchet mich, so werdet ihr leben.“ Amos 5

Liebe Zuhörende, 

„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel – man weiß nie, was man bekommt“ – so eines der bekanntesten Zitate aus der Filmgeschichte – wie wahr! Leben hält alles Mögliche für uns bereit: gute und schöne aber auch schwierige und hässliche Seiten. Und so heißt es in einem anderen Lebensspruch: „Das Leben ist wie ein Brot, irgendwann wird es hart.“ Viele von uns haben die harten Seiten des Lebens schon erlebt und anderen stehen sie noch bevor, Situationen, wo das Leben nicht so recht vorangeht, wo man sich die Zähne daran ausbeißt, wo es bedroht ist. Die Coronazeit, in der wir uns seit eineinhalb Jahren befinden, war für viele so eine Zeit. Das war eine echte Anfechtung, eine Gefährdung. Doch unser Leben hat auch noch andere Bedrohungen erlebt: eine schwere Krebserkrankung, einen üblen Autounfall, eine totale Überlastung in der Ausbildung oder im Beruf, eine abrupte Trennung, was auch immer.
 

Ja, Leben ist oft nicht einfach und erfährt manchmal harte Schicksalsschläge. Wie aber sind wir mit den Tiefen des Lebens umgegangen und wie würden wir mit ihnen umgehen wenn sie uns denn treffen würden? Viele Menschen neigen dazu, wenn alles aus dem Ruder läuft, zu resignieren und aufzugeben, sich zu sagen, es hat alles keinen Sinn. Andere schicken in schweren Zeiten ein Stoßgebet nach dem anderen in den Himmel. Und wieder andere versuchen, vor dem ganzen Elend zu flüchten, und suchen ihre Erlösung und ihr Glück an einem anderen Ort oder in Alkohol, um nach gewisser Zeit aber festzustellen, dass das Problem immer noch da ist.
 

„Suchet mich, so werdet ihr leben.“ – so ruft es der Prophet Amos den Menschen seiner Zeit in einem Predigttext des heutigen Sonntags nicht nur einmal sondern gleich mehrmals zu (Amos 5). Auch die Menschen zur Zeit des Amos vor über 2500 Jahren waren in einer lebensbedrohlichen Situation. Feinde griffen das Land an, zerstörten Felder und Ortschaften, verletzten und töteten Menschen und die Israeliten bekamen es natürlich mit der Angst zu tun. Viele Israeliten suchten ihre Rettung in den Tempeln in Bethel, Gilgal und Samaria und beteten fast unentwegt zu Gott und opferten für ihn und baten ihn um Hilfe in dieser schweren Zeit.
 

 

Und dennoch oder gerade deshalb rief der Prophet Amos seinen Landsleuten im Namen Gottes zu „Suchet mich, so werdet ihr leben.“ Amos sagt seinen Mitmenschen unmissverständlich, dass Gott und das Leben nicht in den Tempeln oder im stillen Kämmerlein zu finden sind, sondern nur dort, wo man sich in Bewegung setzt, sich auf den Weg macht, aktiv wird, und wo man sucht, genau hinschaut, die Perspektive wechselt. Gott und Leben sind da, wo man sich seinem Inneren zuwendet, auf seine Gefühle und das Gewissen achtet, wo man auf andere Menschen zugeht und sich um sie kümmert, wo man Gottes Schöpfung in den Blick nimmt und sie auf sich wirken lässt. Nur da, wo man sich rührt, den eingeschlagenen Weg verlässt, nicht nur sich sondern auch anderes im Blick hat, umfassend denkt und handelt, sich für  Frieden und Gerechtigkeit und ein Miteinander im Land und in der Welt einsetzt, nur da rührt sich auch etwas, nur da ist auch Leben zu finden.
 

„Suchet mich, so werdet ihr leben.“ – ein deutliches Wort des Amos an seine Mitmenschen und ein deutliches Wort auch an uns. Auch wir sollen uns im Leben, gerade in bedrohlichen Lebenssituationen, nicht auf uns zurückziehen, sondern sollen uns auf den Weg machen, sollen uns mit anderen zusammenschließen, denen es ähnlich geht, sollen ihnen helfen und Hilfe an uns ranlassen, sollen uns und anderen gönnen, was uns und anderen gut tut, was Leben Würde verleiht und Leben lebendig macht. Werden wir also aktiv, setzen wir uns in Bewegung, suchen wir Gott, besuchen wir die Mitmenschen und erleben wir, dass wir dann Gott auch finden und Leben, so arg bedroht es manchmal auch ist, wieder an Lebendigkeit und Buntheit gewinnt und sich Licht am Horizont auftut. „Suchet mich, so werdet ihr leben.“ – was für ein Wort, was für ein Ansporn. Amen. 

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