Zum Nachlesen: Andacht zum 8. Sonntag nach Trinitatis

„Lebt als Kinder des Lichts, die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“

Eph 5,8b-9

Liebe Zuhörende, 

in dieser Woche haben alle Bibeltexte mit Licht zu tun, so auch der Wochenspruch aus dem Epheserbrief: „Lebt als Kinder des Lichts, die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Was für ein Wochenspruch?!  Aber irgendwo unpassend. Die Zeiten, wo auf unser Leben Licht geschienen hat und wir, wenn auch keine großen, aber zumindest kleine, Lichter waren, können viele von uns an zwei Händen abzählen oder sind vorbei. Licht scheint auf ganz andere Menschen dieser Welt, auf jüngere Menschen, die sportlich, sprachlich, digital Leuchten sind, auf die Berühmten, die Glanzlichter setzen und im Rampenlicht stehen, auf die Reichen und Mächtigen, die sich immer wieder mit ihrem Gebaren ans Licht der Öffentlichkeit bringen oder gebracht werden. Ja viele Menschen stehen im Licht, aber noch viel mehr stehen im Dunkel, bei uns und anderswo, weil sie alt und krank, arm und unter Gewalt leidend sind. 

 

„Lebt als Kinder des Lichts!“ Das mag für einige gelten, für die meisten jedoch nicht – oder vielleicht doch? Vielleicht sind wir ja viel eher Kinder des Lichts als andere Menschen und vielleicht ist es bei anderen noch etwas dunkler als bei uns. Kinder des Lichtes bedeutet ja nicht, dass wir hell strahlen und im Lichte stehen. Sondern Kinder des Lichtes bedeutet, dass wir vom Licht herkommen und Licht weitergeben oder weil wir vom Licht herkommen, auch Licht weitergeben können. Wir sind wahrlich Kinder des Lichtes, weil Gott uns mit seinem Licht beschienen, Licht auf uns geworfen und uns zugesagt hat: Ich habe Dich gewollt, ich habe dich geschaffen, ich habe dich mit einzigartigen Möglichkeiten und Fähigkeiten ausgestattet, du bist mir kostbar und wertvoll. Mit dieser Zusage, mit diesem Ja Gottes sind wir gut durchs Leben gekommen, haben wir viele Höhen und Tiefen in unserem Leben meistern können und mit dieser Zusage, diesem Dabei-sein Gottes, diesem Bewusstsein, dass Gott uns so unendlich viel geschenkt hat und uns bedingungslos lieb hat, haben auch wir anderen zur Seite stehen können und anderen im Leben helfen können, Licht in ihr Leben bringen können, Güte; Gerechtigkeit und Wahrheit, und tun es auch noch heute.  

 

Es gibt eine kleine jüdische Geschichte, die das sehr schön verdeutlicht. Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt, das Licht zu leuchten beginnt. Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann? fragte einer der Schüler. Nein, sagte der Rabbi. Ist es wenn man von weitem einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann?, fragte ein anderer. Nein, sagte der Rabbi. Aber wann ist es dann?, fragten die Schüler. Der Rabbi antwortete. Es wird Tag, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und in ihm deinen Bruder oder deine Schwester erkennst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns. 

 

Wir haben im Laufe des Leben immer wieder in der Gesicht eines Menschen geblickt und in ihm den Bruder oder die Schwester und ein Gotteskind erkannt und sich diesem Menschen zugewandt, durch ein Lächeln, durch ein nettes Wort, durch einen klares Wort, durch Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit, durch Wertschätzung, Ermutigung, Ermahnung und auch Aktivitäten. Dadurch haben wir es hell beim anderen gemacht, haben ihn zum Leuchten, zum Lächeln gebracht, haben ihn glücklich gemacht. Wir haben den Satz aus dem Epheserbrief gelebt und wir sollen und können ihn noch viel intensiver leben noch viel mehr teilen, viel mehr für Gerechtigkeit tun, viel offener die Dinge benennen. Ich wünsche uns allen, dass wir uns auch weiterhin vom Licht Gottes bescheinen lassen und dieses Licht weitergeben, damit es hell wird auf der Welt, damit Gottes Reich mitten unter uns anfängt und wir dem Reich des Lichtes und des Lebens immer mehr entgegengehen. „Lebt als Kinder des Lichts, die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Amen. 

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