Zum Nachlesen: Ansprache zum 6. Sonntag nach Trinitatis

„Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Matthäus 28, 16-20

Liebe Zuhörende, 

„Gehet hin in alle Welt“ – so heißt es im Predigttext zum 6.Sonntag nach Trinitatis aus dem Ende des Matthäusevangeliums. „Gehet hin in alle Welt“ – wie nah ist uns dieser Satz und wie sehr spricht er uns aus dem Herzen. Wie gerne würden wir endlich die ganzen Corona-Massnahmen hinter uns lassen und in die nahe und ferne Welt gehen, internationale Restaurants und Kulturveranstaltungen besuchen und in die große weite Welt reisen. 

„Gehet hin in alle Welt“ – wie fremd mag dieser Satz aber anderen sein, vielen Menschen in Afrika und Lateinamerika, aber auch bei uns. Die haben ganz andere Sorgen, als in die große weite Welt bei uns und anderswo einzutauchen. Die wären froh, wenn sie zu essen und genug Wasser, Kleidung und ein Dach über dem Kopf hätten, wenn sie gesund wären und arbeiten könnten. 

„Gehet hin in alle Welt“ – nun steht dieser Satz am Ende des Matthäusevangeliums aber nicht alleine da, sondern ihm folgen noch die Sätze: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Da ist nicht vom Fliegen die Rede und auch nicht von Restaurants und Konzerten sondern da ist die Rede davon, dass die Jünger, letztlich aber wir alle, zu anderen Menschen gehen, uns zu ihnen aufmachen und ihnen die Liebe Gottes spürbar machen und ihnen davon erzählen sollen.  

Ja, wir sollen uns in die Welt aufmachen, aber nicht, damit die Welt uns dient, wir auf unsere Kosten kommen, sondern damit wir der Welt dienen, wir der Welt zum Leben verhelfen. Und da ist ja doch eine ganze Menge, ja immer mehr zu tun. Wir sind in Deutschland und in der Nordhalbkugel zum Großteil wirklich in einer sehr priviligierten Situation und die Privilegien werden immer mehr – auch weil wir auf Kosten von anderen Menschen leben. Wir haben genug zu essen und zu trinken, haben jede Menge Kleidung, haben großen Wohnraum, können in den Urlaub reisen – und das, weil in Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerika Menschen für Hungerlöhne Kleidung für uns produzieren, weil dort riesige Plantagen und Viehweiden angelegt werden, um billig an Gemüse, Obst und Fleisch für uns heranzukommen, weil dort viele Medikamente und Impfstoffe getestet werden, die uns zugutekommen, weil dort Rohstoffe und Bodenschätze geplündert werden, um unseren Energie- und Konsumhunger zu stillen. 

„Gehet hin in die Welt“ sagt Jesus, gehet gedanklich, empathisch oder wirklich zu denen, die Euch so dringend brauchen. Gehet zu denen, die nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überleben sollen, gehet zu denen, die von Krankheiten betroffen sind, gehet zu denen, die unter Gewalt leiden. Gehet zu ihnen und gebt ihnen vom Wasser des Lebens, macht ihnen ein menschenwürdiges Leben möglich. Viel könnte man hier tun: Keine Produkte benutzen, wo Palmöl drin enthalten ist, auf Fleisch verzichten und regionales Gemüse oder Obst essen, fair gehandelte Kleidung und Lebensmittel kaufen, den Konsum runterfahren, gegen Rüstungsexporte auf die Straße gehen. 

Wir können viel für die Welt tun – aber das ist nicht einfach. Wie gut, dass andere mit auf dem Weg sind, so wie bei den Jüngern, denen, dieses Wort Jesu zuerst galt. Und gut, dass Gott in Jesus mit auf dem Weg in die Welt ist: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“  Gott will uns immer wieder offene Augen und offene Ohre schenken, damit wir wahrnehmen, wo wir für die Welt gefordert sind. Gott wir uns immer wieder ein offenes Herz geben, damit wir teilen und abgeben. Gott und bestärken, wenn wir auf einem guten Weg sind, will uns mahnen, wen wir uns in dir falsche Richtung bewegen, will uns Mut machen und stärken, wenn wir stehengeblieben sind.  

Gehet hin die Welt – damit die Welt zu uns kommen kann, damit ein Leben, das den Namen Leben verdient, für alle möglich ist. Gott will uns dabei helfen und will nicht von uns lassen, bis wir dies erreicht haben: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“  Amen. 

 

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