Zum Nachlesen: Ansprache zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Ich bin allen alles geworden, damit ich möglichst viele gewinne und rette. (1.Kor 8,1-9,27)

Liebe Zuhörer*innen,

„Ich bin allen alles geworden, damit ich möglichst viele gewinne und rette“ – so sagt der Apostel Paulus im 1.Korintherbrief, ein Wort, in dem ich mich wiederfinde: Auch ich werde viel zu oft „allen alles“, engagiere mich für andere, versuche zu helfen, wo es geht, es den anderen recht zu machen, der Familie, den Gemeindemitgliedern, den Kolleg*innen. Aber nicht nur ich auch andere werden „allen alles“: Mütter und Väter, Männer und Frauen, die alles für ihre Lieben und Liebsten tun, Lehrerinnen und Ärzte, die sich krummlegen für ihre Schüler*innen und Patienten. 

 

Ja, viele von uns werden „allen alles“, geben wirklich das Letzte, aber gewinnen wir dadurch auch welche und etwas und gewinnen andere oder verliert man nicht nur dabei?. Denn wie oft haben wir schon erlebt, dass wir Angebote gemacht haben und es kam kaum einer oder es gab keine Rückmeldung. Und wie oft haben Mütter und auch Väter alles für ihre Kinder gemacht und dann haben sie im Jugendalter doch mit den Eltern gebrochen. Wie oft haben auch Liebende alles füreinander getan und dann kam es doch zur Trennung. Ja manchmal kann es ganz schön frustrierend sein, „allen alles“ zu werden: Also doch nicht „allen alles“ werden oder anders „allen alles“ werden? 

 

Ich denke, wir sollten am „allen alles werden“ festhalten, weil es Ausdruck der Liebe Gottes ist, die-ser unendlichen und bedingungslosen Liebe, die in der Welt verkündigt und auch gelebt werden soll. Ja, wir sollen die Liebe Gottes verkündigen und leben, aber wir sollen uns dabei einiges vor Augen führen – vor allem, dass wir uns die Liebe Gottes auch selbst gesagt sein lassen und sie spüren sollen. Auch uns gilt: Gott hat uns lieb. Er nimmt uns so wie wir sind, mit unseren Stärken und unseren Schwächen. Er will uns alles sein, will uns in guten und schlechten Tagen begleiten und uns stärken und helfen und so können wir auch anderen Menschen alles sein. 

 

„Allen alles werden“ können wir zudem aber auch nur, wenn wir uns auch selber alles sind und uns auch selber mal etwas gönnen. Es ist durchaus legitim und wichtig, sich selbst und anderen zu sagen: ich brauche jetzt meine Stunde Ruhe, einen Spaziergang oder Streicheleinheiten und dann kümmere ich mich um dich und euch, bin ich „allen alles“.  Denn das, was ich mir gönne und was ich für mich tue, das gibt mir Kraft und Mut, Ausdauer und Leidenschaft für all das, was ich dann an anderen tue. 

 

Und schließlich ist es wichtig, mit der Liebe den anderen nicht zu erdrücken, sondern ihn zu befähigen zu leben und Liebe zu üben. Es kann nicht darum gehen, dem anderen das, was er auch selber kann, abzunehmen, sondern ihn so mit Lob. Rat und Tat, aber auch mit Mahnung zu begleiten, dass er sich und die anderen als Gottes Geschöpf begreift, die von Gott zu Gott unterwegs sind. 

 

Klar, auch dieses behutsame „allen alles werden“ ist keine Garantie, dass es nicht hier und da doch zu Frustrationen kommt und der Gewinn zunächst ausbleibt. Aber er wird sich einstellen, nicht erst am Ende alles Tage, sondern oft mit etwas Verzögerung,. Denn das kennen wir auch, dass das Engagement dann doch irgendwann noch Früchte getragen hat, dass verlorene Töchter und Söhne wieder zurückgekehrt sind, dass Schüler*innen trotz heftiger Proteste letztlich doch dem Rat ihrer Lehrer*innen folgten. Ich wünsche uns, dass wir die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes genauso freudig verkünden und leben können wie der Apostel Paulus und wir und andere damit leben können, zum Leben mit all seinen Schattierungen befähigt werden. Amen.
 

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