Zum Nachlesen: Ansprache zu Quasimodogeniti

1.Petrusbrief: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

Liebe Zuhörende, 

der heutige Sonntag heißt auch „Quasimodogeniti“- „wie die neugeborenen Kindlein“ und passend dazu heißt es im Wochenspruch aus dem 1.Petrusbrief: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Der Schweizer Theologe Karl Barth hat diesen Satz etwas verständlicher ausgedrückt. Barth schreibt: „Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht herumlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat.“ Und nun nochmal in ganz einfachen Worten: „Wir können alle fröhlich und voller Hoffnung sein, weil Ostern uns ein neues Leben ermöglicht.“ 
 

Wenn ich mich so umschaue, dann denke ich manchmal, dass anscheinend viele die Osterbotschaft noch nicht oder nicht richtig gehört haben. Viele Menschen laufen eher mit einem ernsten, manchmal auch traurigen und ängstlichen, als mit einem strahlenden Gesicht herum. Aber wen wundert´s?! Die vielen Probleme unserer Zeit, die Corona-Pandemie, der Klimawandel, die Umweltzerstörung, die Gewalt in vielen Ländern der Welt und vieles andere mehr hinterlassen ihre Spuren, spiegeln sich auch in den Gesichtern wieder. Manchmal denke ich, dass nur wenige ein wirklich fröhliches Gesicht an Ostern habe, zum Beispiel die Internethändler oder die Supermärkte, wo jetzt um Ostern kräftig eingekauft wurde. 
 

„Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht herumlaufen …“ so Karl Barth. Aber wie gesagt, bis auf einige wenige scheint die Osterbotschaft nicht viel Freude ausgelöst zu haben, was nicht heißt, dass die Leute sich nicht an dem Wetter und der Natur freuen, aber eben nicht an der Osterbotschaft. Aber vielleicht haben wir die Osterbotschaft noch nicht oder gar nicht gehört sondern wir haben sie vielleicht auch nicht richtig gehört. Vielleicht haben wir gedacht: Wenn Gott in Jesus Christus den Tod besiegt hat, dann muss der Tod ein für allemal weg sein, der leibhaftige Tod, der Beziehungstod, der Tod der Natur, der wirtschaftliche Tod …
 

Vielleicht haben wir bei dieser großen Erwartungshaltung und mit der dahin einhergehenden Frustration ganz übersehen, dass die Auferstehung Jesu nicht die Auferstehung schlechthin ist, aber auf die Auferstehung schlechthin hinweist und daher die Auferstehung im Alltag möglich macht. Vielleicht hat ja der Blick auf das ganz Große den Blick auf das wunderbare Kleine verstellt.

 

Und da entdecke ich durchaus kleine Lichter in einem manchmal großen Dunkel. Solche kleinen Lichter entdecke ich auch in der Nähe. Ich entdecke sie da, wo sich das Pflegepersonal oder die Angehörigen aufopferungsvolll um einen schwerkranken und dem Sterben nahen Menschen kümmern, weil sie daran glauben, dass das nicht das Ende ist, sondern das es auch wieder eine Zeit ohne Leid geben wird. Ich entdecke sie da, wo Menschen aufstehen und Grenzen überschreiten und mit Menschen anderer Herkunft, anderer Religion, anderen Alters Kontakt aufnehmen und überlegen, was man gemeinsam machen kann – auch in Zeiten von Corona, weil sie verinnerlicht haben, dass Jesus mit seiner Auferstehung auch eine Grenze überschritten hat und das Reich Gottes grenzenlos ist. Ich entdecke Ostern bei uns aber auch dort, wo Menschen aufstehen und ihre Stimme erheben und etwas tun für die vermeintlich Kleinen unter uns, die Kinder, die Alten, die Wohnsitzlosen, die Behinderten, weil sie davon überzeigt sind, dass das Große nicht groß und das Kleine nicht klein bleiben wird.
 

Die Osterbotschaft macht nicht von heute auf morgen aus einem ernsten, traurigen oder ängstlichen Gesicht ein fröhliches Gesicht, aber sie kann hier und da ein Lächeln auf das Gesicht zaubern – unerwartet, unscheinbar, aber ansteckend und fröhlich machend und Hoffnung vermittelnd, so wie das Lächeln eines neugeborenen Kindes. Amen. 

 

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