Zum Nachlesen: Osteransprache

„Und Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken und Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben, Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“

Liebe Zuhörende,

warum feiern wir eigentlich Ostern? So wurden vor einigen Jahren Menschen bei einer Umfrage gefragt. Für die meisten war Ostern ein Familienfest oder das Fest des Frühlingsanfangs. Immerhin wusste noch knapp die Hälfte, dass Ostern mit der Auferstehung Jesu von den Toten zu tun hat, nachdem er vorher am Kreuz gestorben war.
 

Wie anders aber kommt der Predigttext des diesjährigen Osterfestes daher, in dem überhaupt nicht von der Auferstehung Jesu die Rede ist. Im 2.Buch Mose lesen wir in einem der ältesten Texte der Bibel: „Und Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken und Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben, Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“ Was aber haben diese Zeilen aus dem Alten Testament aber mit Ostern zu tun? - abgesehen davon, dass sie im Zusammenhang mit dem Auszug aus Ägypten stehen, was am Passafest, in den Tagen von Jesu Kreuzigung und Auferstehung, in Jerusalem gefeiert wurde. 
 

Ich denke, der Predigttext will deutlich machen, dass wir an Ostern nicht nur die Auferstehung Jesu von den Toten, sondern mit seiner Auferstehung auch die Auferstehung aller Menschen und die Auferstehung mitten im Alltag feiern. Ostern führt uns vor Augen, dass Gott ein Gott des Lebens ist, der immer wieder Leben will und schafft, der immer wieder Menschen auferstehen und aufstehen lässt, der immer wieder Unmögliches möglich machten will.  
 

Und so war es ja auch bei der Mirjam und den Frauen und Männern ihres Volkes. Was hatten diese Menschen für eine Todesangst gehabt?! Sie waren aus der Sklaverei in Ägypten geflohen, hatten auf Befehl des Pharao die ägyptischen Soldaten im Nacken und standen nun vor einem Meer, wo es scheinbar kein Weiterkommen mehr gab. Aber dann ließ Gott das Wasser verschwinden, so dass Mirjam und ihr Volk trockenen Fußes weitergehen konnten, und als die Soldaten ihnen hinterher eilten, kam das Wasser zurück und trennte die Israeliten und die Ägypter und Mirjam sang und trommelte voller Freude mit den anderen Frauen: „Gott ist hoch erhaben, Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“ Manchmal frage ich mich zwar, wie man sich so freuen und Gott loben kann, wenn das eigene Leben zwar gerettet, anderes Leben dabei aber zerstört wird. Aber es ist ja gar nicht gesagt, dass das Leben der Ägypter vernichtet wurde, vielleicht nur ihr Kriegsmaterial. Was aber gesagt ist, ist, dass die Israeliten einen Neuanfang, ein neues Leben geschenkt bekamen und sich dieses Geschenkes Gottes auch bewusst waren und es ihr Leben veränderte, und sie sich dadurch für andere Menschen in Notsituationen einsetzten.
 

Mirjam und die Frauen und Männer Israels stehen auf, feiern die Auferstehung mitten im Leben und rüsten sich für die nächste Auferstehung in ihrem Leben und  im Leben anderer. Sie hauen auf die Pauke und sie werden auch in Zukunft auf die Pauke hauen, wenn es wieder eine lebensbedrohliche Situation in ihrem Leben oder im Leben anderer geben sollte und sie auch diese Situation – Krankheit, Tod, Gewalt, Unterdrückung, Flüchtlingssituation – mit Gottes Hilfe aber auch mit Eigeninitiative wieder meistern sollten.  
 

Lassen wir uns von Mirjam anstecken, vertrauen wir darauf, dass Gott immer wieder viel möglich ist, dass er Unmögliches möglich machen kann, dass auch wir unseren Teil dazu beitragen können, dass auch wir immer wieder Ostern erleben und Ostern schaffen können, Auferstehung mitten im Leben leben können! Wir sind geboren, um zu leben, aufzustehen, aufzuerstehen. Amen. 

 

 

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