Zum Nachlesen: Ansprache zum Sonntag Lätare

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Liebe Gemeinde 

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ so der Wochenspruch des Sonntags Lätare aus dem Johannesevangelium – wie wahr, das wissen wir alle und Landwirte noch mehr, dass ein Samenkorn nur dann Frucht bringt, wenn es nicht liegen bleibt oder gegessen wird sondern gesät wird und deshalb säen viele Landwirte im Moment den Sommer-weizen, damit er im Sommer geerntet werden kann und pro Samenkorn ca. 120 Weizenkörner hervorbringt. 

 

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ – nun hat Jesus, von dem dieser Spruch stammt, diese Worte aber nicht zu Landwirten sondern zu seinen Jüngern und einigen griechischen Pilgern, die zum Passafest nach Jerusalem gekommen waren, gesagt und mit dem Weizenkorn sich selbst gemeint. Und das werden die Jünger und die Pilger kaum verstanden, das wird sie verstört haben. Sie waren ja gar nicht auf das Sterben und den Tod Jesu eingestellt, zumal die Menschen ihm ja gerade erst beim Einzug in Jerusalem zugejubelt hatten und auch sonst in Scharen zu ihm kamen und sich von ihm heilen ließen oder sich von ihm von Gott und seinem Reich berichten ließen. Warum also sprach Jesus vom Sterben und vom Tod und warum sollte sein Sterben und sein Tod Frucht bringen? Er würde für die Menschen doch viel mehr bewirken können, wenn er weiterhin für die Menschen da wäre, Wunder vollbrachte, Hoffnung weckte, eine Richtung vorgab. 

 

Und doch oder gerade deshalb sagte Jesus:  „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“  Erst einige Zeit später haben die Jünger und die griechischen Pilger verstanden, was es mit diesem Wort auf sich hatte. Natürlich war es schlimm, dass Jesus so einen grausamen Tod erleiden musste, aber sie erlebten auch, wie nah ihnen Gott durch das Sterben und den Tod seines Sohnes gekommen war, noch näher als in Jesu Leben, und dass Gott in seinem Sohn den Tod besiegte und sie diese Erfahrungen zusammenschweißten, eine Gemeinschaft bilden ließen und diese Erfahrungen ihnen Mut und Kraft schenkten, Leiden zu durchstehen und gestärkt daraus hervorzugehen. 

 

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ – ein Wort, das Jesus im Blick auf sein Sterben und seinen Tod gesagt hat, ein Wort, mit dem er aber auch seine Nachfolger im Blick hatte und ihnen Mut machen wollte, in Krisensituationen nicht zu verzagen sondern daran zu glauben, dass in vielen Krisen auch eine Chance stecken kann und Leben nach einer Krise manchmal lebendiger und vielfältiger als vorher ist. Einiges fällt mir hierzu ein: Zum Beispiel eine Frau im mittleren Alter, die lange und schwer mit einer Krebserkrankung zu kämpfen und mit ihrem Leben eigentlich schon abgeschlossen hatte und die sich dann sagte, egal wie mein Leben weiterverläuft, ob mit Gesundung oder mit Sterben, ich werde mich mit all meiner Zeit, meiner Kraft, meinem Vermögen für Menschen einsetzen, denen es noch schlechter geht: Wohnsitzlosen, Geflüchteten und anderen mehr. Oder ich muss daran denken, wie ein Mann in gehobener Position wegen der vielen Arbeit einen totalen Zusammenbruch hatte und sogar an Suizid dachte und dann einen kompletten Wandel vollzog und an einem anderem Ort mit anderen Menschen in einem anderen Beruf nochmal total neu anfing und andere Menschen für diesen Weg begeistern konnte. In den Sinn kommt mir natürlich auch die gegenwärtige Coronakrise, die vielen Menschen wegen der Kontaktbeschränkungen, wegen der Angst und wegen vielem mehr arg zu schaffen macht, die viele Menschen aber auch kreativ und phantasievoll gemacht hat und sie viele Sachen anders betrachten und mehr schätzen ließ.  

 

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ – klar, nicht jedes Weizenkorn, das in die Erde fällt, bringt auch viel Frucht, nicht in jeder Krise steckt eine Chance, nicht überall steigt man als Phönix aus der Asche. Aber in jeder Krise sind wir nicht allein sondern ist Gott in seinem Sohn Jesus Christus bei uns und steht uns in aller Angst, in aller Verzweiflung, in aller Trauer, in allem Chaos zur Seite und hilft uns, da einigermaßen durchzukommen und nicht aufzugeben. Und in jeder Krise will Gott uns Mut machen, unser Elend beim Namen zu nennen und andere Menschen darauf aufmerksam zu machen und vielleicht doch Menschen dafür zu gewinnen, sich mit uns zu solidarisieren, uns zu helfen. 

 

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Ich wünsche uns nicht, dass wir in weitere Krisen geraten oder uns selbst da hineinbegeben, aber ich wünsche uns, dass wenn wir mal in Krisen sind, da mit Gottes Hilfe gut durchkommen und dass manche Krisen sich doch als ein Wendepunkt erweisen, zu einer Verwandlung, Veränderung führen und Leben gefüllter und erfüllter wird.   

Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, erfülle eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. 

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